Falscher Kartoffelsalat | Low-Carb-Kartoffelsalat

| On
Juni 18, 2017
Low-Carb-Kartoffelsalat-Kohlrabi


Früher, als meine Schwester und ich noch klein beziehungsweise jünger waren und Zuhause lebten, gab es Samstags immer was „besonderes“ zu essen. Ich wollte erst „Fast Food“ schreiben, aber das würde es nicht treffen, auch wenn es viele dieser Gerichte auch beim Imbiss um die Ecke gab. Während unter der Woche mittags die altbekannte und vielgeliebte Hausmannskost – also was mit Fleisch und Beilagen, meistens Kartoffeln und Salat – auf den Tisch kam, schwelgten wir samstags in etwas anderen Genüssen: Es gab Pizza, Schaschlik (bis heute eines meiner Lieblingsessen, tbh), Gyros und Brathähnchen, häufig mit Reis oder Pommes, natürlich alles selbstgemacht, und zack, die Kinder waren glücklich.

Jaja, es war ganz sicher keine fleischfreie Kindheit – aber nicht nur ich, sondern auch meine Eltern konnten sich mittlerweile von der Überzeugung lösen, dass zu jeder anständigen Mahlzeit auch ein anständiges Stück Fleisch gehört. (P. S.: Ich möchte mir übrigens anmaßen, einen beträchtlichen Teil zu diesem Erkenntnisgewinn beigetragen zu haben.)

Mit diesem Rezept hier haben meine Kindheitserinnerungen nur insofern zu tun, als das mein allerallerallerliebstes Samstagsessen von je her ohne Fleisch auskam: Kartoffelsalat. Da hat ja jede Region und wiederum Familie so ihre eigenen Vorlieben, und ich habe unser traditionelles Rezept bereits vor vielen Jahren hier verbloggt. Kartoffelsalat geht für mich immer! IMMER! Nudelsalat hingegen mag ich gar nicht. Müsste ich mich mal für eine Art Henkersmahlzeit entscheiden – Gott bewahre! –, Kartoffelsalat wäre meine allererste Option. 

Vor ein paar Tagen bin ich auf Instagram über einen „falschen“ Kartoffelsalat gestolpert, der mich neugierig machte, weil er anstelle von Kartoffeln auf Kohlrabi setzt und deswegen auch Low-Carb-Anhängern ganz gerne zubereitet wird. Weil ich auch gerne (und mit ernährungsärztlicher Anordnung) versuche, vor allem abends weniger Kohlenhydrate zu essen und weil wir wunderschöne Kohlrabi aus unserem Schrebergarten bekommen haben, dachte ich mir: Why not? 

Ich habe mehr oder weniger „unser“ Familienrezept genommen und die Kartoffeln durch Kohlrabi ersetzt. Wer einen echten Low-Carb-Kartoffelsalat zubereiten möchte, sollte den Apfel weglassen (und zudem bei den Cornichons auf den Zuckergehalt achten!), aber für mich gehört der einfach dazu. Andere lieben ja auch Fleischwurst im Kartoffelsalat, das ist für mich ein absolutes No-Go, würde im Rahmen von LC aber in Ordnung sein.

Fazit: Eine sehr überzeugende Alternative – für Low-Carb-Anhänger und solche, die gerade nicht mehr so recht wissen, wohin mit den leckeren, frischen Kohlrabi. 

Low-Carb-Kartoffelsalat-Kohlrabi-2

Falscher Kartoffelsalat | Low-Carb-Kartoffelsalat 
Rezept für 2 Portionen 

Zutaten 
2 junge Kohlrabi (geputzt gewogen ca. 400 g)
2 Eier
50 g Cornichons
1/2 Apfel (ca. 50 g)
1 kleine Zwiebel 
75 g Mayonnaise oder Salatcreme
1 EL Saure Sahne
1 TL scharfer Senf
2-3 EL Gurkenwasser (von den Cornichons)
Salz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
etwas Paprikapulver
etwas Zucker (oder eine LC-Alternative, z. B. Xucker oder Süßstoff)

Zubereitung
Die Kohlrabi in mundgerechte Stücke bzw. Würfel schneiden und in wenig Salzwasser bissfest garen; das dauert ca. 5-7 Minuten.
In der Zwischenzeit die Eier hart kochen und nebenbei Cornichons und Zwiebel in kleine Würfelchen schneiden, den halben Apfel ebenfalls würfeln.
Kohlrabi abgießen, Eier abschrecken und abkühlen lassen.
Aus Mayo, saure Sahne, Senf, Salz, Pfeffer, Paprika, Gurkenwasser und Xucker eine nicht zu flüssige Salatsauce herstellen. Eier pellen und klein hacken. Den nur noch mäßig warmen Kohlrabi in eine Schüssel geben, Sauce darüber geben und verrühren. Zum Schluss die Eier unterheben. Abschmecken und ggf. nachwürzen. Im Kühlschrank mindestens zwei Stunden durchziehen lassen; für mich schmeckt er am nächsten Tag am besten.


ANNA JONES – a modern way to cook | {Rezension}

| On
Juni 11, 2017
anna-jones-a-modern-way-to-cook2

Der Hype um Anna Jones war, nein: ist groß. Auf ihrer Website verrät sie gleich im ersten Satz, sie habe ihren Bürojob nach der aufmerksamen Lektüre eines Zeitungsartikels, der sich um das eine, bestimmende Thema unserer Generation drehte („Follow your passion“) gekündigt. Einfach so, schwupps, aus, vorbei. Schon ein paar Tage später  arbeitete Jones in Jamie Olivers berühmtem Restaurant Fifteen in London, dann als JOs Food-Stylistin, schließlich hier und dort in Küchen aller Kontinente. Mittlerweile ist sie wieder zurück in London, selbstständige Food-Redakteurin und Stylistin und hat 2015 mit a modern way to eat ein unfassbar erfolgreiches Kochbuchdebüt hingelegt, dessen Nacholger a modern way to cook ich nun rezensieren durfte. Mit großen Erwartungen habe ich die ersten Seiten nicht aufgeblättert. Überhypte Dinge – ob Mensch, Buch oder Einhorn – langweilen mich nicht nur, ich werde (darf man das überhaupt zugeben?) richtiggehend kiebig, suche konzentriert nach Fehlern und möglichen Kritikpunkten. Tja – leider habe ich in a modern way to cook so gut wie nichts gefunden, Kleinigstkeiten, wenn überhaupt.
Die Rezepte sind abwechslungsreich, spannend + veggie-centered. Und mit Anna Jones' Einstellung zu Ernährung kann ich mich auch ziemlich gut identifizieren:

„Hören wir auf, unsere Nahrung in Einzelteile zu zerlegen, von denen wir einige für generell schlecht erklären und andere über die Maßen loben. Rücken wir wieder das große Ganze in den Blick. Eine ausgewogene und möglichst naturnahe Ernährung ist der beste Weg. Das Heil im Extrem zu suchen ist keine nachhaltige Ernährungs- und Lebensweise. (...) Für mich ist „gut essen“, ander als häufig vermittelt, eine ganz simple Sache: hochwertige Lebensmittel kaufen, selbst kochen, den Schwerpunkt auf Gemüse und pflanzliche Erzeugnisse legen und auf den eigenen Körper hören. Das ist alles.“


Die Optik: Rezepte auf Apfelpapier


Anna Jones' Bücher sind die ersten, die aus Apfelresten hergestellt werden. Dem Unternehmen frumat aus Südtirol ist es gelungen, ein umweltfreundliches Papier aus Apfelabfällen herzustellen. Apfelpapier? Kann man das essen? Nein. Es riecht auch nicht nach Apfelsaft oder -kuchen. Sieht aus und riecht wie stinknormales Öko-Papier und fasst sich auch so an. Ist das nicht saucool – und total genial? Ich hoffe sehr, dass das auch für andere (Kochbuch)-Autoren eine Option sein kann!
Das Cover finde ich in Ordnung, nicht außergewöhnlich, eher unauffällig. Ich bin nicht sicher, ob ich im Buchladen danach gegriffen hätte. Außen solala, innen ohlala: Fast jedes Rezept ist bebildert, und das auch noch sehr schön; Die Fotos gefallen mir persönlich sehr gut: Kein überkandideltes Setting, sondern die Speise im Mittelpunkt, umrahmt von eher kühlen Farben und minimalistischer Deko. Punkt.


Der Inhalt  


  • Einleitung (u. a. mit Vorwort, "Zubehör für die schnelle Küche" und "Ein paar Anmerkungen zu den Zutaten")
  • Bis der Tisch gedeckt ist – 10-15 Minuten
  • Fertig in 20 Minuten
  • Auf dem Tisch in einer halben Stunde 25-30 Minuten
  • Vierzig-Minuten-Festessen 
  • Vorratsküche
  • Fix gefrühstückt
  • Schnelle Desserts und Süßigkeiten
  • Rezeptregister
  • Zutatenregister
  • Register für vegane Rezepte
  • Register für glutenfreie Rezepte 
  • Danksagung 
Nun aber mal Tacheles. Was haben wir gekocht und wie hat's gemundet?
  • Tomaten-Miso-Suppe – Konnte uns nicht begeistern, wobei das Hantieren mit Miso ja auch schwierig ist, die Pasten je nach Hersteller unterschiedlich (intensiv) schmecken und man sich da schnell verschätzt. Die Angabe "2 EL Misopaste" ist dementsprechend meiner Meinung nach nicht gut gewählt. Also: Ein schnelles, aber schwieriges Rezept. Das Topping war allerdings super!
  • Gerösteter Brokkoli mit Gurkennudeln – Oh, so good! Das Rezept war wirklich ein Volltreffer – eines dieser "Will ich immer wieder essen, am besten morgens, mittags und abends"-Gerichte. 

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  • Rauchiger Gemüse-Chowder – Eine gut rauchige, würzige, cremige Gemüsesuppe mit Mais. Eher für kalte, kuschelige Abende. Solide.
  • Kalte Avocado-Gurken-Suppe mit Fenchel – Ich liebe kalte Suppen – hmm, es geht nichts über kalte Gurkensuppe, Vichyssoise oder Kohlrabisuppe mit Meerrettich. Am bisher heißesten Tag des Jahres kam mir die kalte Avocado-Gurken-Suppe mit Fenchel gerade recht – und hat mein Herz direkt erobert. Wunderbar sämig, erfrischend, interessant – volle Punktzahl! Das Rezept habe ich bereits hier verbloggt! 
  • Geröstete Zucchini-Ratatouille mit knusprigen Kichererbsen – Und noch einmal ein Volltreffer aus Anna Jones' Küche: Wenn man kurz davor ist, den Teller abzulecken, hat man wohl die richtige Wahl getroffen. Vor allem die knusprigen Kichererbsen, die in Olivenöl gebraten und mit geriebener Zitronenschale betreut werden, haben unser Herz im Sturm erobert. 
Noch lange nicht bin ich mit den Rezepten durch, die mich interessieren. Gerade im hinteren Bereich des Buches, also bei den Rezepten ab 25 Minuten Zubereitungszeit, habe ich noch den einen oder anderen Merkzettel geklebt: Kohl-Limetten-Nachos mit Chili-Cashew-Creme, Zucchini-Spaghetti mit Pistazien, Kräutern und Ricotta, Lieblingslinsen mit Rösttomaten und Meerrettich, Kürbis-Bohnen-Auflauf... das eine oder andere Rezept muss saisonbedingt leider noch warten.

Mikro-Kritik und Sonstiges


Das ist einer der winzigen Wermutstropfen an a modern way to cook:
Ich liebe es, wenn Rezepte nach Saison sortiert werden. Dass darauf hier kein Wert gelegt wurde, ist aber nur ein bisschen schade und fällt kaum ins Gewicht. Immerhin ist das Rezeptregister sehr aufwändig und intelligent konstruiert, da mag ich nicht weiter nörgeln.
Auch an anderer Stelle kann ich nur auf hohem Niveau meckern: Bei so mancher Mengenangabe kam ich ins Grübeln, weil „1 Handvoll Kräuter“, „4 kleine Zwiebeln“, „ein halber Bund Minze“ etc.) durchaus frei interpretierbar sind und ich lieber mit exakten Mengenangaben – Gramm oder Millilieter – arbeite.
Die angepeilte Zubereitungszeit manchmal sehr optimistisch – ich habe meistens ein paar Minuten länger gebraucht. Und wenn als Beilage ein nicht näher definierter grüner Salat empfohlen wird, muss der ja auch immer noch geputzt und angemacht werden; und alleine das Waschen eines hübschen Bio-Kopfsalates kann gut und gerne 10 Minuten in Anspruch nehmen. Aber wie gesagt: Wir dringen hier in Kritiksphären vor, die keinerlei Einfluss auf das Gesamtergebnis ausüben können.

Anna gibt stets Empfehlungen für vegane und glutenfreie Alternativen. Was ich ganz sympathisch finde: Sie selbst backt mit „gesunden“ Zutaten (wie Kokosöl und Dattelsirup), schlägt für schlicht-gestrickte Normalos oder für Leute, die so etwas nicht auf Vorrat da haben, aber auch Standardalternativen (Butter! Weißer Zucker! Huiuiui...) vor.
Besonders gut gefällt mir übrigens das „Vorratsküche“-Kapitel, wo Jones für all Diejenigen unter uns, die gerne auch bei Küchenbasics Hand anlegen, Rezepte für Nussbutter, Panir, Tahini oder Gemüsebrühe vorstellt. Hier werde ich mich auf jeden Fall noch austoben.


Wem würde ich das Kochbuch empfehlen?

A modern way to cook ist ein wundervolles Buch, das ich jedem Koch ans Herz legen würde, der sich für eine gesunde, pflanzlich-orientierte Küche interessiert; Der neugierig ist auf Rezepte, die nicht ganz so alltäglich sind. Und als Geschenk für eine kochbegeisterte Freundin wäre es aktuell meine erste Wahl!

Der Mosaik-Verlag hat mir das Kochbuch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gstellt. Vielen Dank dafür!

Kalte Avocado-Gurkensuppe mit Fenchel

| On
Mai 30, 2017
Kalte-Avocado-Gurkensuppe-Fenchel

Es ist so heiß!
Aber ich hab trotzdem Hunger!


Kennt ihr diese Leute, die – sobald die Temperaturen über 20° C steigen –, nölen, von wegen: Puh, diese Hitze, da kann ich nichts/nur wenig essen?
Also, mit mir macht das Wetter solche Sperenzchen nicht. Essen muss sein, ob sibirische Minusgrade oder schwüle Tropenhitze. Es muss ja kein deftiger Erbseneintopf oder Rollbraten mit Knödeln sein, aber ein frischer Salat, eine kalte Suppe gehen immer.
Seit Jahren mein Favorit: Kalte Gurkensuppe mit Minze, Joghurt und Knoblauch, aber auch eine Vichyssoise darf es sein, wobei letztere zugegebenermaßen etwas mehr Zubereitungszeit benötigt.

Ganz neu im Programm: Kalte Avocado-Gurkensuppe mit Fenchel, nach einem Rezept von Anna Jones, deren Kochbuch A modern way to eat ich aktuell rezensiere. Oh, so good!
Spontan am vergangenen Hitze-Wochenende alle Zutaten in den Mixer geworfen, ordentlich durchpüriert, als Topping geröstete Kerne und ein paar frische Basilikumblättchen – einfach perfekt: Lecker, erfrischend und reichhaltig genug für ein kleines, feines Mittagessen.

Kalte-Avocado-Gurken-Suppe-Fenchel-2

Kalte Avocado-Gurkensuppe mit Fenchel 
Rezept für 2 Portionen

Zutaten
1 reife Avocado
3/4 Schlangengurke
1 kleine Fenchelknolle
75 g Joghurt, 3,5% oder mehr
Saft von 1/2 Zitrone
Salz
Pfeffer
1 Handvoll Kerne (bei mir ein Mix aus Kürbis-, Sonnenblumen und Pinienkernen)
Olivenöl
frisches Basilikum

Zubereitung
Schlangengurke putzen – Bio-Ware nicht schälen –, würfeln. Fenchel ebenfalls putzen und würfeln, aus der Avocado das Fruchtfleisch löffeln und das Gemüse mit Joghurt, Zitrone, Salz und Pfeffer in den Mixer geben und kräftig durchpürieren, bis alles schön glatt und sämig ist.
Mit Salz und Pfeffer abschmecken und auf zwei Suppenschalen verteilen.
In einer beschichteten Pfanne die Kerne kräftig rösten, kurz abkühlen lassen und portionsweise auf die Suppe geben. Zerrupfte Basilikumblättchen nach Gusto darüber streuen.
Wenn gewünscht noch mit Olivenöl toppen und servieren.

Quelle

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