Freitag, 24. April 2015

Passionsfrucht-Curry mit Kichererbsen und Reis – frisch von den Seychellen


In kulinarischer Hinsicht war unser Urlaub auf den Seychellen etwas herausfordernd.

Großstädter sind ja unheimlich verhätschelt. Haben wir doch an jeder Ecke ein Café, ein Bistro oder ein Restaurant, und sind daran gewöhnt, zu jeder Tageszeit einzukehren, am liebsten aber den Abend mit guten Freunden und einem Glas Wein dort ausklingen zu lassen. Kein Bedürfnis nach Geselligkeit? Der nächste Supermarkt mit einem ständig verfügbaren Sortiment von A bis Z ist mit Sicherheit nicht weit, und wenn doch – die Telefonnummer für den Lieferdienst habt ihr bestimmt auf Kurzwahl im Smartphone gespeichert, oder? 

Ähm, ja. Auf den Seychellen läuft das (und irgendwie alles andere auch) nicht ganz so.
Die 115 Inseln liegen vor der Ostküste Afrikas, südlich des Äquators und damit in den Tropen. An wortwörtlich jeder Ecke gedeiht prächtiges Obst vor sich hin – Bananen, Papayas, Limetten, Mangos, Sternfrüchte, Avocado, Brotfrüchte, Ananas, Kokosnüsse. Mein Foodie-Herz pochte ganz doll, als ich das anfänglich registrierte. Was für eine Auswahl! Was für ein Überfluss!
Jedoch: Seid ihr frühmorgens auf dem Markt der Hauptstadt Victoria, bekommt ihr die größte, beste Bandbreite an Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse. Kommt ihr zu spät oder habt gar keine Chance den Markt zu besuchen, seid ihr auf einige Straßenhändler angewiesen, die Früchte aus Eigenanbau anbieten – oder auf das Angebot weniger Supermärkte respektive Tante-Emma-Läden. Versucht da aber mal, nach 14 Uhr eine Packung Toast zu ergattern. Pustekuchen. Die Grundversorgung durch Nudeln und vor allem Reist ist zwar gesichert, aber noch lange nicht jedes Geschäft führt Milchprodukte. Gemüse und Obst sind Mangelware (hat man ja eh im eigenen Garten) und Eier? – Na, was weg ist ist weg. Wann's wiederkommt? Mal sehen. Vielleicht morgen. Vielleicht übermorgen. Vielleicht nächste Woche.

Auf den Seychellen werden um spätestens 17 Uhr die Bordsteine hochgeklappt. Die Sonne geht um 18:30 Uhr unter, danach sind die Straßen leer und verlassen, zudem stockduster. Dementsprechend spielt sich das Leben Zuhause ab, und auch wir haben die Abende in unserem Apartment verbracht, gekocht und ziemlich viel Seybrew – das lokale Bier, für mich seitdem die Nr. 1 – getrunken.
Trotz unseres Selbstversorgertums haben wir mittags oft auswärts gegessen, weswegen ich ein Gefühl für die Küche der Seychellen bekommen konnte. Die Gewässer sind sehr fischreich, und frischer als dort können vermutlich nicht serviert werden: Ob Red Snapper, Papagei- oder Thunfisch – jedes Restaurant bietet einen „Catch of the day“ an. Dazu wird meist eine „Creole Sauce“ gereicht, ein rotes, stückiges Gemisch mit Gemüse- und Obstanteilen, die zwischen mild und scharf rangiert. Durch den indischen Einfluss sind auch Reis- und Currygerichte auf jeder Speisekarte zu finden, häufig mit Oktopus oder Hühnchen.Es wird sehr wenig gesalzen, im Fokus steht der Eigengeschmack der Zutaten.  

Vegetarische Highlights waren für mich frittierte Papaya und ein großartiges, herzhaftes Kürbismus.
Einmal aßen wir ein kreolisches Kichererbsencurry mit Passionsfruchtsauce. Für mich – als Liebhaber süß-herzhafter Gerichte – ein echtes Highlight.
Ja, es war schön dort.

Mögt ihr auch so gerne tropisches Obst im Essen wie ich? Was sind eure Rezept-Highlights, die ich unbedingt mal ausprobieren muss? 


Passionsfrucht-Curry mit Kichererbsen und Reis
Rezept für 2 Personen

Zutaten
2 EL Olivenöl
1 Knoblauchzehe
3 Zwiebeln
1 Möhre
1 gelbe Paprikaschote
1 Dose gute Tomaten (z. B. von San Marzano)
eventuell Tomatenmark
1 kleine Dose Kichererbsen
3 aromatische Passionsfrüchte (Maracujas)
Curry-Gewürzmischung
etwas Zucker
etwas Salz

Reis als Beilage

Zubereitung
Zwiebeln, Möhre und Paprikaschote putzen. Zwiebeln grob und Knoblauch klein würfeln, Möhren in Scheiben und Paprika in Stücke schneiden. In einer Pfanne 2 EL Olivenöl erhitzen und das Gemüse darin unter rühren dünsten – die Zwiebeln sollten keine Farbe annehmen und das Gemüse keine „Bratkruste“ erhalten, wir wollen alles nur schonend vorgaren. Nach ca. 5 Minuten, so lange das Gemüse noch Biss hat, Tomaten und Kichererbsen dazugeben  und weiter garen. Wenn ihr es nicht so flüssig mögt, fügt ruhig noch ein wenig Tomatenmark hinzu.
Von den Passionsfrüchten zwei bereits jetzt in die Pfanne geben und verrühren, mit Curry, Zucker und Salz abschmecken. Die letzte Passionsfrucht dient als extra-fruchtiges Topping.

Noch warm mit Reis servieren. Einmal Tropen und zurück!


Freitag, 10. April 2015

Vegan Essen im Flugzeug – {Im Test: EMIRATES}

Albtraum Flugzeugessen – oder auch: Das Schreckgespenst in der Plastikschale. Dieser Blogpost entsteht, weil ich selbst kurz vor meinem Urlaub mich kreuz und quer durchs Netz gesuchtt habe, die Frage im Hinterkopf: Gibt es die Möglichkeit, im Flugzeug vegan zu essen? Und wenn ja: Was servieren die einem da überhaupt? 

Die Ausgabe der Mahlzeiten im Flieger gleicht für mich einer stressigen Überraschungsparty: 
Hochkonzentriert versuche ich zu verstehen, welche Mahlzeiten die Flugbegleiterin mir – gedämpft von Dröhnen und Turbinenlärm – anpreist. Und wenn ja (oder auch nein), wie soll ich mich bloß binnen Sekundenbruchteilen zwischen Variante A (Pest) oder B (Cholera) entscheiden? 
Dazu kommt: Ich vertrage das Essen schlecht. Ich habe Hunger, möchte genießen, mir die Stunden vertreiben, und doch habe ich kurz danach immer sehr unangenehme Bauchschmerzen, die ich auf die Kombination Essen/Bewegungsmangel schiebe. Ihr merkt: Ich habe ein „Chicken or Pasta?“-Trauma von meinen Flugreisen davon getragen.  Im schlimmsten Fall sitzt übrigens zusätzlich links von einem der „Unruhegeist“ (nickt ein und zuckt dabei unkontrolliert mit den Ellbogen), rechts der „Besatzer“ (okkupiert von Anfang an alle Armlehnen sowie Teile des benachbarten Fußraumes), und in der Reihe davor der „Klappstuhl-Rüpel“, der fünf Minuten nach Start eine bequeme Position einnimmt, indem er seine Lehne um 90° nach hinten klappt. In solch einer Situation sollte Essen doch Trost spenden, oder?

Das ist hoch über den Wolken jedoch schwierig. Aufgewärmte Menüs sind per se eher ungeil, und irgendwie hängt es auch mit dem Druck, der Flughöhe und dem veränderten Geschmackssinn zusammen. Anja von Travel on Toast hat vor einigen Wochen ein Interview mit dem Leiter des Borddiensts von Condor geführt, welches ich diesbezüglich sehr erhellend fand. 

Noch schwieriger wird es, wenn man „eingeschränkt ernährungsfähig“ ist, wobei Vegetarier meistens noch Glück haben. Schwieriger wird's für laktoseintolerante, glutenallergische, muslimische, jüdische Passagiere – die Lösung: Ein Sondermenü vorbestellen. Fast alle großen Airlines bieten diesen Service an, sodass man nicht mit leerem Bäuchlein tausende Kilometer auf wenigen Zentimetern eingepfercht verbringen muss. Und weil wie gesagt weder Chicken (sicherlich Qualzucht, bäh) noch Pasta (meistens mit Sahne oder Ölsauce, hmmm, was leichtes, weil man sich ja so viel bewegt) so mein Ding ist, habe ich mir dieses mal ein Sondermenü bestellt. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. 

Wir sind mit Emirates von Düsseldorf auf die Seychellen geflogen und hatten einen Zwischenstop in Dubai. Emirates hat ein riesiges Angebot an Sondermenüs, was ich wirklich toll finde. Schade ist nur, dass man – im Gegensatz zu den anderen Passagieren, die das Menü gleich am Anfang in die Hand gedrückt bekommen – nie weiß, was einen erwartet bzw. auch nicht erfährt, was vor einem im Plastikschälchen liegt. Deswegen sind meine Angaben, was genau ich bekommen habe, ohne Gewähr. ;-)


Flug 1 – DUS × DXB
Dinner: Kichererbsencurry mit Basmatireis und Edamame-Bohnen; Kartoffelsalat mit Gurken; Brötchen; Obst


Flug 2 – DXB × SEZ
Frühstück: Teigröllchen mit Gemüsefüllung; Bohnen in Tomatensauce; Spinat; Tomate; Brötchen; Marmelade; Margarine; Obst


Flug 3 – SEZ × DXB
Dinner: Hier wusste man leider nichts von unserer Vorbestellung, besorgte uns aber ein vegetarisches Hindu-Menü: Kartoffelcurry (sehr scharf), Reis und Spinat; Bohnensalat; Brötchen; Obst

*Leider habe ich hier vergessen, ein Foto zu machen. Es war schon 1 Uhr nachts und ich war sehr müde, von mir aus hätte man um die Uhrzeit gar nichts mehr servieren müssen.  

Flug 4 – DXB × DUS
Frühstück: Linsensalat mit Palmherzen; Brötchen; Marmelade; Margarine; Obst
Lunch: Tortellini mit undefinierbarer Füllung in Paprika-Tomatensauce; gefüllte Weinblätter; Hummus; Brötchen; Margarine; Kompott



Ich fand das Essen (für über-den-Wolken-Verhältnisse) grandios.
Mein Mann bekam auf dem Hinflug noch das Standardessen, war aber so begeistert von meinen Menüs, dass er für den Rückflug ebenfalls die veganen Menüs vorbestellte. Ich fand nicht nur jedes Gericht ausnahmslos lecker (also wirklich lecker, nicht nur „geht so“), sondern auch bekömmlich.

Besonders das frische Obst fand ich toll. Klar, man könnte sich nun beschweren, dass Emirates einem keinen veganen Brownie zaubert, aber das Obst war saftig, süß und frisch und lag – was mir besonders wichtig war – nicht schwer im Magen. Ich musste ein bisschen lachen, als unser Sitznachbar seinen Käsekuchen mit Sahne und Vanillesauce nur anstupste, kurz probierte und die Gabel dann wieder zur Seite legte...

Was habt ihr denn für Erfahrungen mit Flugzeug-Mahlzeiten? Bestellt ihr ein Sondermenü vor oder lasst ihr euch Überraschen? Welches Airlines könnt ihr besonders empfehlen und welche lieber nur mit einem Tagesvorrat an Müsliriegeln und Sandwiches besteigen?

UPDATE 11/2016: Ich habe jetzt auch das vegane Essen auf einem Langstrecken-Flug mit FinnAir ausprobiert. Den Bericht könnt ihr hier lesen.

Montag, 6. April 2015

Einback – Ein spektakulär einfacher Osterzopf {LURPAK Blogparade}


Und ihr jetzt alle so: „Nicht noch ein Osterzopf...“ (stöhn).
Sorry, ich weiß, heute ist Ostermontag, und ihr habt alle die Backen voll davon, aber mein Lieblingsrezept will ich trotzdem mit euch teilen. Ich bin sicher, ihr liebt buttriges Hefegebäck genau so wie ich, gebt es schon zu!
Ob Brioche, Hefestuten, Milchbrötchen oder Weckmann – ich bin definitiv süchtig. Beim Bäcker kann mich keine noch so glänzende Rosinenschnecke, kein knuspriges Schoko-Croissant und schon gar kein praller Muffin locken – ich bleibe bei meinem fast anachronistisch anmutenden Hefehörnchen oder Stütchen. Auch ein Sonntagnachmittag könnte für mich nicht perfekter sein als mit einem Stück saftigen Stuten oder Weißbrot. Zwar habe ich kein riesiges Repertoire an eigenen Rezepten – kenne genügend Bäcker, die mir diese Aufgabe abnehmen, hierfür ein schmatzendes Dankeschön! –, aber die, die ich habe, können auf eine essenzielle Zutat nicht verzichten: Butter.

Nach unserer Rückkehr von den Seychellen, wo es tagein, tagaus Toast zum Frühstück gab, hatte ich  diesen unbändigen Heißhunger auf frisches, fluffiges Hefegebäck. Mein erster Versuch waren  kleine Brioche, welche sich nach dem Backen leider nur noch als Wurfgeschosse gegen die Köpfe von Dügida-Anhängern eigneten. Also zurück zum Start, zum Altbewährten: Einback. Zu einem Zopf geflochten passte er eh gut zu Ostern, und der Teig ist auch für Hefeangsthasen leicht zu bewältigen, klebt nicht, muckt nicht, und lässt sich in jede beliebige Form bringen. Eine gute Prise Salz sollte nicht fehlen. Seht ihr? Wenn sogar ich so einen hübschen Zopf flechten kann, könnt ihr das auch.


Der Hefezopf ist mein Beitrag zur Blogparade von Lurpak Butter, einer dänischen Butter mit über 100 Jahren Tradition, die seit kurzem auch in Deutschland erhältlich und für uns Verpackungsopfer („Oh, guck mal, die kleinen Blöcke! Silbernes Papier! Und die Lettern!“) ein Highlight ist. Ganz im Sinne von Lurpak bin auch ich der Meinung, dass das „spektakulär Einfache“ viel öfter Platz auf unserem Teller haben sollte, denn guter Geschmack kommt ohne viele Zutaten, ohne viel Brimborium, ohne Schnick und Schnack aus. Mein Beitrag dazu: Dieses Rezept.
Außerdem durfte ich noch folgende Fragen beantworten:

1) Was bedeutet es für dich, ein Foodlover zu sein?
Kurz und knapp: Gutes Essen bringt mein Herz zum Hüpfen. Minderwertige Produkte und Gerichte, Missstände in der Tierhaltung, Genmanipulation am Gemüse, Lebensmittelverschwendung, Geschmacksverstärker, Zusatzstoffe und ähnliches machen mich traurig.

2) Manche Tage laufen einfach nicht gut – welches Gericht macht dich nach einem miesen Tag wieder glücklich?
Milchsuppe. Dazu einfach 250 ml Milch, 125 ml Wasser, 20 g Schmelzflocken, eine gute Prise Salz und 1 – 2 EL Zucker aufkochen. Mein ultimatives Wohlfühlessen. Am besten übrigens mit einem Stich Butter...

3) Fremde Kulturen, fremde Küchen – Wo und wie begibst du dich am liebsten auf kulinarische Entdeckungsreise?
Der Einschlag ist wohl unverkennbar: Ich liebe die türkische und orientalische Küche und bin verrückt nach Gewürzen wie Zimt, Kreuzkümmel, Sumach, Za'tar – ansonsten mag ich aber auch vietnamesisch und japanisch sehr gerne.

4) Nach Rezept oder einfach drauf los? Wie kochst du am liebsten?
Am Wochenende probiere ich gerne mal ein richtiges Rezept aus, unter der Woche schüttele ich das Essen aus dem Handgelenk, mal mehr, mal weniger erfolgreich. That's the way it is. 

PS: Esst mehr Butter!



Einback-Hefezopf
für 1 grooooßen Zopf, nicht nur zum Osterfrühstück

Zutaten
500 g Weizenmehl
90 g Zucker
75 g Butter
2 Eier, Größe M
150 ml Milch
1,5 Päckchen Trockenhefe (21 g)
optional: 1 Eigelb und etwas Wasser zum Bestreichen

Zubereitung
Butter schmelzen und Milch erwärmen. 
Alle Zutaten in eine Schüssel geben und zu einem Hefeteig zusammenkneten. Das klappt ganz gut mit einem leistungsstarken Handmixer, ich nehme aber auch gerne noch die Hände für das „Finish“.
An einem windgeschützten Ort ca. 30 Minuten auf das Doppelte gehen lassen.
Dann den Teig nochmals gut durchkneten und in drei gleich große Stücke teilen.
Diese zu Rollen formen und zu einem Zopf flechten. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen. Nochmals 20 Minuten gehen lassen und in der Zwischenzeit den Ofen auf 175°C (Ober-/Unterhitze) vorheizen. Zopf mit dem Eigelb/Wassergemisch bestreichen und ca. 25 – 30 Minuten backen.