ANNA JONES – a modern way to cook | {Rezension}

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Juni 11, 2017
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Der Hype um Anna Jones war, nein: ist groß. Auf ihrer Website verrät sie gleich im ersten Satz, sie habe ihren Bürojob nach der aufmerksamen Lektüre eines Zeitungsartikels, der sich um das eine, bestimmende Thema unserer Generation drehte („Follow your passion“) gekündigt. Einfach so, schwupps, aus, vorbei. Schon ein paar Tage später  arbeitete Jones in Jamie Olivers berühmtem Restaurant Fifteen in London, dann als JOs Food-Stylistin, schließlich hier und dort in Küchen aller Kontinente. Mittlerweile ist sie wieder zurück in London, selbstständige Food-Redakteurin und Stylistin und hat 2015 mit a modern way to eat ein unfassbar erfolgreiches Kochbuchdebüt hingelegt, dessen Nacholger a modern way to cook ich nun rezensieren durfte. Mit großen Erwartungen habe ich die ersten Seiten nicht aufgeblättert. Überhypte Dinge – ob Mensch, Buch oder Einhorn – langweilen mich nicht nur, ich werde (darf man das überhaupt zugeben?) richtiggehend kiebig, suche konzentriert nach Fehlern und möglichen Kritikpunkten. Tja – leider habe ich in a modern way to cook so gut wie nichts gefunden, Kleinigstkeiten, wenn überhaupt.
Die Rezepte sind abwechslungsreich, spannend + veggie-centered. Und mit Anna Jones' Einstellung zu Ernährung kann ich mich auch ziemlich gut identifizieren:

„Hören wir auf, unsere Nahrung in Einzelteile zu zerlegen, von denen wir einige für generell schlecht erklären und andere über die Maßen loben. Rücken wir wieder das große Ganze in den Blick. Eine ausgewogene und möglichst naturnahe Ernährung ist der beste Weg. Das Heil im Extrem zu suchen ist keine nachhaltige Ernährungs- und Lebensweise. (...) Für mich ist „gut essen“, ander als häufig vermittelt, eine ganz simple Sache: hochwertige Lebensmittel kaufen, selbst kochen, den Schwerpunkt auf Gemüse und pflanzliche Erzeugnisse legen und auf den eigenen Körper hören. Das ist alles.“


Die Optik: Rezepte auf Apfelpapier


Anna Jones' Bücher sind die ersten, die aus Apfelresten hergestellt werden. Dem Unternehmen frumat aus Südtirol ist es gelungen, ein umweltfreundliches Papier aus Apfelabfällen herzustellen. Apfelpapier? Kann man das essen? Nein. Es riecht auch nicht nach Apfelsaft oder -kuchen. Sieht aus und riecht wie stinknormales Öko-Papier und fasst sich auch so an. Ist das nicht saucool – und total genial? Ich hoffe sehr, dass das auch für andere (Kochbuch)-Autoren eine Option sein kann!
Das Cover finde ich in Ordnung, nicht außergewöhnlich, eher unauffällig. Ich bin nicht sicher, ob ich im Buchladen danach gegriffen hätte. Außen solala, innen ohlala: Fast jedes Rezept ist bebildert, und das auch noch sehr schön; Die Fotos gefallen mir persönlich sehr gut: Kein überkandideltes Setting, sondern die Speise im Mittelpunkt, umrahmt von eher kühlen Farben und minimalistischer Deko. Punkt.


Der Inhalt  


  • Einleitung (u. a. mit Vorwort, "Zubehör für die schnelle Küche" und "Ein paar Anmerkungen zu den Zutaten")
  • Bis der Tisch gedeckt ist – 10-15 Minuten
  • Fertig in 20 Minuten
  • Auf dem Tisch in einer halben Stunde 25-30 Minuten
  • Vierzig-Minuten-Festessen 
  • Vorratsküche
  • Fix gefrühstückt
  • Schnelle Desserts und Süßigkeiten
  • Rezeptregister
  • Zutatenregister
  • Register für vegane Rezepte
  • Register für glutenfreie Rezepte 
  • Danksagung 
Nun aber mal Tacheles. Was haben wir gekocht und wie hat's gemundet?
  • Tomaten-Miso-Suppe – Konnte uns nicht begeistern, wobei das Hantieren mit Miso ja auch schwierig ist, die Pasten je nach Hersteller unterschiedlich (intensiv) schmecken und man sich da schnell verschätzt. Die Angabe "2 EL Misopaste" ist dementsprechend meiner Meinung nach nicht gut gewählt. Also: Ein schnelles, aber schwieriges Rezept. Das Topping war allerdings super!
  • Gerösteter Brokkoli mit Gurkennudeln – Oh, so good! Das Rezept war wirklich ein Volltreffer – eines dieser "Will ich immer wieder essen, am besten morgens, mittags und abends"-Gerichte. 

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  • Rauchiger Gemüse-Chowder – Eine gut rauchige, würzige, cremige Gemüsesuppe mit Mais. Eher für kalte, kuschelige Abende. Solide.
  • Kalte Avocado-Gurken-Suppe mit Fenchel – Ich liebe kalte Suppen – hmm, es geht nichts über kalte Gurkensuppe, Vichyssoise oder Kohlrabisuppe mit Meerrettich. Am bisher heißesten Tag des Jahres kam mir die kalte Avocado-Gurken-Suppe mit Fenchel gerade recht – und hat mein Herz direkt erobert. Wunderbar sämig, erfrischend, interessant – volle Punktzahl! Das Rezept habe ich bereits hier verbloggt! 
  • Geröstete Zucchini-Ratatouille mit knusprigen Kichererbsen – Und noch einmal ein Volltreffer aus Anna Jones' Küche: Wenn man kurz davor ist, den Teller abzulecken, hat man wohl die richtige Wahl getroffen. Vor allem die knusprigen Kichererbsen, die in Olivenöl gebraten und mit geriebener Zitronenschale betreut werden, haben unser Herz im Sturm erobert. 
Noch lange nicht bin ich mit den Rezepten durch, die mich interessieren. Gerade im hinteren Bereich des Buches, also bei den Rezepten ab 25 Minuten Zubereitungszeit, habe ich noch den einen oder anderen Merkzettel geklebt: Kohl-Limetten-Nachos mit Chili-Cashew-Creme, Zucchini-Spaghetti mit Pistazien, Kräutern und Ricotta, Lieblingslinsen mit Rösttomaten und Meerrettich, Kürbis-Bohnen-Auflauf... das eine oder andere Rezept muss saisonbedingt leider noch warten.

Mikro-Kritik und Sonstiges


Das ist einer der winzigen Wermutstropfen an a modern way to cook:
Ich liebe es, wenn Rezepte nach Saison sortiert werden. Dass darauf hier kein Wert gelegt wurde, ist aber nur ein bisschen schade und fällt kaum ins Gewicht. Immerhin ist das Rezeptregister sehr aufwändig und intelligent konstruiert, da mag ich nicht weiter nörgeln.
Auch an anderer Stelle kann ich nur auf hohem Niveau meckern: Bei so mancher Mengenangabe kam ich ins Grübeln, weil „1 Handvoll Kräuter“, „4 kleine Zwiebeln“, „ein halber Bund Minze“ etc.) durchaus frei interpretierbar sind und ich lieber mit exakten Mengenangaben – Gramm oder Millilieter – arbeite.
Die angepeilte Zubereitungszeit manchmal sehr optimistisch – ich habe meistens ein paar Minuten länger gebraucht. Und wenn als Beilage ein nicht näher definierter grüner Salat empfohlen wird, muss der ja auch immer noch geputzt und angemacht werden; und alleine das Waschen eines hübschen Bio-Kopfsalates kann gut und gerne 10 Minuten in Anspruch nehmen. Aber wie gesagt: Wir dringen hier in Kritiksphären vor, die keinerlei Einfluss auf das Gesamtergebnis ausüben können.

Anna gibt stets Empfehlungen für vegane und glutenfreie Alternativen. Was ich ganz sympathisch finde: Sie selbst backt mit „gesunden“ Zutaten (wie Kokosöl und Dattelsirup), schlägt für schlicht-gestrickte Normalos oder für Leute, die so etwas nicht auf Vorrat da haben, aber auch Standardalternativen (Butter! Weißer Zucker! Huiuiui...) vor.
Besonders gut gefällt mir übrigens das „Vorratsküche“-Kapitel, wo Jones für all Diejenigen unter uns, die gerne auch bei Küchenbasics Hand anlegen, Rezepte für Nussbutter, Panir, Tahini oder Gemüsebrühe vorstellt. Hier werde ich mich auf jeden Fall noch austoben.


Wem würde ich das Kochbuch empfehlen?

A modern way to cook ist ein wundervolles Buch, das ich jedem Koch ans Herz legen würde, der sich für eine gesunde, pflanzlich-orientierte Küche interessiert; Der neugierig ist auf Rezepte, die nicht ganz so alltäglich sind. Und als Geschenk für eine kochbegeisterte Freundin wäre es aktuell meine erste Wahl!

Der Mosaik-Verlag hat mir das Kochbuch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gstellt. Vielen Dank dafür!
Kommentare on "ANNA JONES – a modern way to cook | {Rezension}"
  1. Ich hatte das Buch erst am Wochenende in den Händen, aber ich fand es so hässlich, dass ich es mir gar nicht weiter angeschaut habe (obwohl ich deine Begeisterung im Ohr hatte!).
    Optik gehört halt auch dazu und ist Geschmackssache. Ich kann mit diesen reduzierten, eher farbschwachen Bildern nichts anfangen. Ich finde sowas aber auch super schade, wenn dann die Rezepte ganz toll sind :(. Wobei ich die Kombinationen teilweise schon sehr gewagt finde... Am besten jemand kocht mal was ganz tolles aus diesem Buch für einen ;).

    Danke für diese ehrliche Rezension :).
    Liebe Grüße
    Lena

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    1. Liebe Lena,

      tja, da hast du wohl recht. Ich bin ein Fan von solchen Fotos (sieht man ja auch auf meinen eigenen ganz gut, haha). Vielleicht ergänze ich für die Rezension noch ein Beispielbild aus dem Inneren, damit man direkt einschätzen kann, ob es einem selbst gefällt oder nicht.

      Merci für deinen Kommentar!

      LG,
      Christina

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  2. Ich will jetzt unbedingt dieses Brokkolirezept nachkochen. Heißt wohl, ich brauche das Buch. Ganz schnell! Danke für die Rezension. Ein Blick ins Innere fände ich übrigens auch ganz spannend.

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