Freitag, 10. April 2015

Vegan Essen im Flugzeug – {Im Test: EMIRATES}

Albtraum Flugzeugessen – oder auch: Das Schreckgespenst in der Plastikschale. Dieser Blogpost entsteht, weil ich selbst kurz vor meinem Urlaub mich kreuz und quer durchs Netz gesuchtt habe, die Frage im Hinterkopf: Gibt es die Möglichkeit, im Flugzeug vegan zu essen? Und wenn ja: Was servieren die einem da überhaupt? 

Die Ausgabe der Mahlzeiten im Flieger gleicht für mich einer stressigen Überraschungsparty: 
Hochkonzentriert versuche ich zu verstehen, welche Mahlzeiten die Flugbegleiterin mir – gedämpft von Dröhnen und Turbinenlärm – anpreist. Und wenn ja (oder auch nein), wie soll ich mich bloß binnen Sekundenbruchteilen zwischen Variante A (Pest) oder B (Cholera) entscheiden? 
Dazu kommt: Ich vertrage das Essen schlecht. Ich habe Hunger, möchte genießen, mir die Stunden vertreiben, und doch habe ich kurz danach immer sehr unangenehme Bauchschmerzen, die ich auf die Kombination Essen/Bewegungsmangel schiebe. Ihr merkt: Ich habe ein „Chicken or Pasta?“-Trauma von meinen Flugreisen davon getragen.  Im schlimmsten Fall sitzt übrigens zusätzlich links von einem der „Unruhegeist“ (nickt ein und zuckt dabei unkontrolliert mit den Ellbogen), rechts der „Besatzer“ (okkupiert von Anfang an alle Armlehnen sowie Teile des benachbarten Fußraumes), und in der Reihe davor der „Klappstuhl-Rüpel“, der fünf Minuten nach Start eine bequeme Position einnimmt, indem er seine Lehne um 90° nach hinten klappt. In solch einer Situation sollte Essen doch Trost spenden, oder?

Das ist hoch über den Wolken jedoch schwierig. Aufgewärmte Menüs sind per se eher ungeil, und irgendwie hängt es auch mit dem Druck, der Flughöhe und dem veränderten Geschmackssinn zusammen. Anja von Travel on Toast hat vor einigen Wochen ein Interview mit dem Leiter des Borddiensts von Condor geführt, welches ich diesbezüglich sehr erhellend fand. 

Noch schwieriger wird es, wenn man „eingeschränkt ernährungsfähig“ ist, wobei Vegetarier meistens noch Glück haben. Schwieriger wird's für laktoseintolerante, glutenallergische, muslimische, jüdische Passagiere – die Lösung: Ein Sondermenü vorbestellen. Fast alle großen Airlines bieten diesen Service an, sodass man nicht mit leerem Bäuchlein tausende Kilometer auf wenigen Zentimetern eingepfercht verbringen muss. Und weil wie gesagt weder Chicken (sicherlich Qualzucht, bäh) noch Pasta (meistens mit Sahne oder Ölsauce, hmmm, was leichtes, weil man sich ja so viel bewegt) so mein Ding ist, habe ich mir dieses mal ein Sondermenü bestellt. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. 

Wir sind mit Emirates von Düsseldorf auf die Seychellen geflogen und hatten einen Zwischenstop in Dubai. Emirates hat ein riesiges Angebot an Sondermenüs, was ich wirklich toll finde. Schade ist nur, dass man – im Gegensatz zu den anderen Passagieren, die das Menü gleich am Anfang in die Hand gedrückt bekommen – nie weiß, was einen erwartet bzw. auch nicht erfährt, was vor einem im Plastikschälchen liegt. Deswegen sind meine Angaben, was genau ich bekommen habe, ohne Gewähr. ;-)


Flug 1 – DUS × DXB
Dinner: Kichererbsencurry mit Basmatireis und Edamame-Bohnen; Kartoffelsalat mit Gurken; Brötchen; Obst


Flug 2 – DXB × SEZ
Frühstück: Teigröllchen mit Gemüsefüllung; Bohnen in Tomatensauce; Spinat; Tomate; Brötchen; Marmelade; Margarine; Obst


Flug 3 – SEZ × DXB
Dinner: Hier wusste man leider nichts von unserer Vorbestellung, besorgte uns aber ein vegetarisches Hindu-Menü: Kartoffelcurry (sehr scharf), Reis und Spinat; Bohnensalat; Brötchen; Obst

*Leider habe ich hier vergessen, ein Foto zu machen. Es war schon 1 Uhr nachts und ich war sehr müde, von mir aus hätte man um die Uhrzeit gar nichts mehr servieren müssen.  

Flug 4 – DXB × DUS
Frühstück: Linsensalat mit Palmherzen; Brötchen; Marmelade; Margarine; Obst
Lunch: Tortellini mit undefinierbarer Füllung in Paprika-Tomatensauce; gefüllte Weinblätter; Hummus; Brötchen; Margarine; Kompott



Ich fand das Essen (für über-den-Wolken-Verhältnisse) grandios.
Mein Mann bekam auf dem Hinflug noch das Standardessen, war aber so begeistert von meinen Menüs, dass er für den Rückflug ebenfalls die veganen Menüs vorbestellte. Ich fand nicht nur jedes Gericht ausnahmslos lecker (also wirklich lecker, nicht nur „geht so“), sondern auch bekömmlich.

Besonders das frische Obst fand ich toll. Klar, man könnte sich nun beschweren, dass Emirates einem keinen veganen Brownie zaubert, aber das Obst war saftig, süß und frisch und lag – was mir besonders wichtig war – nicht schwer im Magen. Ich musste ein bisschen lachen, als unser Sitznachbar seinen Käsekuchen mit Sahne und Vanillesauce nur anstupste, kurz probierte und die Gabel dann wieder zur Seite legte...

Was habt ihr denn für Erfahrungen mit Flugzeug-Mahlzeiten? Bestellt ihr ein Sondermenü vor oder lasst ihr euch Überraschen? Welches Airlines könnt ihr besonders empfehlen und welche lieber nur mit einem Tagesvorrat an Müsliriegeln und Sandwiches besteigen?

UPDATE 11/2016: Ich habe jetzt auch das vegane Essen auf einem Langstrecken-Flug mit FinnAir ausprobiert. Den Bericht könnt ihr hier lesen.