Ein offener Brief an Wien – und ein (kulinarischer) Besuch im Radisson Blu Style Hotel in der Herrengasse

| On
April 10, 2016

Liebes Wien,

mein zweiter Aufenthalt bei dir könnte nicht gegensätzlicher sein als der erste.
Spulen wir kurz zurück, sagen wir so ungefähr 13 Jahre. Was, 13? Ja, tatsächlich ist es fast so lange her, dass ich dich 2003 auf Stufenfahrt besuchte. Welche Erinnerungen habe ich an diese Tage, kurz nach meinem 18. Geburtstag? Naja, ehrlich gesagt: Nicht so viele. Die Fahrt war für viele eher Pflicht als freudiges Happening, und was ich heute am verrücktesten finde: Wir sind mit dem Bus gefahren! Wie viele Stunden waren wir wohl unterwegs? 12? 14?
Nun, eine Stufenfahrt wäre keine Stufenfahrt, wenn nicht der erste Beteiligte schon um 9:30 Uhr betrunken im Gang gelegen hätte. Fotos habe ich davon keine, generell nur wenige Bilder aus diesen Tagen – wir befinden uns schließlich noch in der prä-Smartphone-, ja quasi sogar in der prä-Digicam-Ära. Eins davon aber zeigt eine Nagelfeile, die in einer Wand steckt.

Die Pension, in der wir untergebracht wurden: Das letzte Loch. Ich habe nie wieder in so einer Drecksunterkunft übernachtet wie dieser. Warum die Nagelfeile in der Wand steckt? Weil die Wände feucht und weich waren, und der Schimmel sich auch gar nicht mehr versteckte, man sah ihn sich langsam von unten nach oben durch die Tapeten vorarbeiten. Nach zwei Tagen waren wir alle krank, aber natürlich weiterhin betrunken, also abends. Vormittags und mittags wurde das übliche Touristenprogramm durchgezogen, es war unfassbar heiß, das weiß ich noch. Sonst: Nur Erinnerungsfetzen: Die fast täglichen Besuche beim Wiener Wald Express (eine Schnitzel-Kette, die bedauerlicherweise heute nicht mehr existiert). Der Besuch auf dem Prater (jede Geisterbahn musste mit). Cassis-Wodka auf dem Nachttisch (ja, widerlich waren die 00er Jahre, die Jugend von heute säuft stilvoller). Schade, dass ich so wenig behalten habe, außer das Gefühl: Wien? Naja.





Somit warst du über ein Jahrzehnt von meinem Reiseradar verschwunden. Erst im letzten Jahr, da  ehrte dich das ZEITMagazin mit einem viele Seiten umfassenden Special. Ach, da hat sich wohl was getan! Und dementsprechend zögerte ich nicht, als ich vom Radisson Blu Style Hotel die Einladung erhielt, für ein Wochenende vorbei zu schauen. Und somit schlage ich den Bogen zurück an den Anfang des Postings: Der Aufenthalt hätte nicht gegensätzlicher sein können. Anstatt in feuchten Bettlaken in einer schummrigen Pension am Ortsrand saß ich nun in einer sehr geräumigen Juniorsuite mitten in der Altstadt. Das Zimmer war größer als meine erste eigene Wohnung, die Matratze weich und trocken (hurrah!), die Wand hätte jeder Nagelfeile Stand halten.
Generell ein paar Worte zum Hotel: Die Lage ist – das seht ihr auf jedem Stadtplan sofort – absolut perfekt. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten sind fußläufig erreichbar, und wenn es doch etwas weiter rausgehen soll, ist die nächste U-Bahn auch nur einen Steinwurf entfernt. Ruhig ist es außerdem, es fährt kein Auto, lediglich das Hufgeklapper der Fiaker stört bisweilen die Stille, wobei das ja zu einem Wien-Besuch mit dazu gehört. Die Zimmer sind modern und stilvoll (ich kenne es von Radisson nicht anders, irgendwie trifft's immer genau meinen Geschmack), und selbst die „niedrigste“ Kategorie, das Standardzimmer, ist sehr, sehr großzügig bemessen. Besonderer Pluspunkt: Die Pflegeprodukte von This Works. Das ist ja so eine Marke, die fast schon Kultcharakter besitzt, ich aber nie irgendwo greifen konnte – jetzt war alles einfach da: Shampoo, Spülung, Duschgel, Handcreme, Bodylotion, Seife, Badesalz. Wirklich toll – und alles riecht sooo gut, frisch, zitronig. Ich habe mich wirklich wohl gefühlt. Vor allem im Badezimmer.



Ich könnte mich an solche entspannten Trips gewöhnen. Vor allem kulinarisch haben wir sehr viel auf sehr wenig Zeit quetschen können: Das weltbeste Eis bei Greissler (Pistazie/Mohn/Muskat und Kürbiskernöl), ein Besuch im Café Landtmann (teuer, aber großartig, und der Topfenstrudel ever), beste Brötchen bei Joseph Brot (jeden Cent wert) und natürlich ein großartiges vegetarisches Menü im SAPORI im Radisson Blu, mit allerlei Gemüsen und Valrhona-Mousse zum Dessert. Alles auf den Punkt und den Aufenthalt in jeder Hinsicht köstlich abrundend. Mehr Fotos findet ihr übrigens auf meinem Instagram-Account.



Meine Begleitung habe ich mir auch dieses Mal nicht selbst ausgesucht – aber es ziemlich gut getroffen: Mit Fee, Jasmin und Petra kann man auch während dreistündiger Stadtführungen eine Menge Spaß haben, und weil die beiden letztgenannten sogar Wienerinnen sind, lerne ich gleich noch ein paar lustige Vokabeln – wenngleich auf Umwegen {"Haschee ist Faschiertes!" HÄ?}.
Insgesamt habe ich an nur zwei Tagen 25 Kilometer zu Fuß durch deine Straßen zurückgelegt. Und nüchtern und gesund bist du einfach noch viel schöner, liebes Wien, als es Reiseführer und Fotos erahnen lassen. Jugendstil und Barock an jedem Eckchen, dazwischen kaum auffällige Bausünden, aber auffallend-witzige Lädchen wie das "Niederösterreichische Landesreisebüro", dessen Aufgabe ich auf jeden Fall noch ergooglen muss. Langweilig wird's mit dir auf keinen Fall!


Danke, Wien! Die Taschen voll mit Josephbrot und -kipferl (und das zugelassene Handgepäck-Maximalgewicht definitiv überschreitend) bin ich rund wie eine Mozartkugel in Düsseldorf aus dem Flugzeug gepurzelt. Ich freue mich so sehr, dass du dich diesmal von einer ganz anderen Seite gezeigt hast. Nur beim Wetter haben wir uns missverstanden, das war anders bestellt... machen wir dann beim nächsten Mal klar, ja? 


Baba,
Christina 

*Ich wurde vom Radisson Blu Style Hotel Wien eingeladen. Darüber hinaus habe ich kein Geld für meinen Bericht oder meine Teilnahme. Meine Bilder und Eindrücke stammen aus meiner persönlichen Erfahrung und entsprechen meiner eigenen Meinung.
Kommentare on "Ein offener Brief an Wien – und ein (kulinarischer) Besuch im Radisson Blu Style Hotel in der Herrengasse"
  1. So machen Reise- und Erfahrungsberichte einfach unglaublich viel Spaß!
    Danke dafür!

    LG Maja

    AntwortenLöschen
  2. Hihi, ach Wien! Leiwand wie eh und je ;) Ich mag die Stadt so gern, sie hat ihren ganz eigenen Charme. Zwar hab ich 6 Jahre dort gelebt aber es gibt immer noch so viel zu entdecken! Ich fahre immer wieder gern hin! Und kriege jetzt bei deinem Post akutes Wien-Heimweh...

    Liebe Grüße,
    Ela

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Christina,
    ohhhkay, ich glaube ich muss Wien auch eine zweite Chance geben. Ich war über Silvester da und hab mich gefühlt wie im Krieg :( Man hat sich kaum aus dem Hotel getraut. Und das Eis habe ich auch verpasst, allein deshalb muss man wohl nochmal hin. :)
    Alles Liebe,
    Lena

    AntwortenLöschen
  4. Hach du machst mir direkt wieder Lust auf Wien. Ich bin ja der Meinung Wien geht immer. Ich erlebe die Stadt schon mein Leben lang (mein Vater kommt daher) und sie hat sich gerade in den letzten Jahren so verändert. Schön verändert. Mir gefällt Wien mit jedem Mal besser.

    Baba :)

    AntwortenLöschen
  5. Haha, schön, dass es dir diesmal bei uns gefallen hat :)) Wenn du das nächste Mal kommst kann ich dir noch das Tian empfehlen für richtig gutes, richtig edles vegetarisches Essen <3
    http://www.taste-tian.com/restaurant/at/wien/
    Liebe Grüße,
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  6. Oh Mann, du bist sooo vorbildlich. Ich habe es noch nicht mal geschafft, meine Bilder zu sichten. Aber kommt Zeit, kommt Blogpost. War toll, dich kennenzulernen :)!

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...