Sonntag, 21. Mai 2017

Chia, nein danke! – 5 Gründe, warum ich nichts von Superfoods halte


Irgendwann waren sie da: Chia, Açai- und Goji-Beeren, Kakaonibs, Weizengras, Moringa, Quinoa, Spirulina, Chlorella und wie sie alle heißen – Superfoods. 
Das Versprechen, das mitschwingt (mal konkret genannt, mal angedeutet):
Superfoods sind einfach genial, halten uns jung, gesund, schön, fit, schlank, entgiften – hach, was auch immer das Herz begehrt: Irgendein Kraut, mit dem man seine morgendliche Frühstücksbowl möglichst instagramable pimpen kann, ist dafür (oder dagegen?) gewachsen.

Ihr kriegt schon bei den ersten Zeilen ein bisschen Puls? Ich auch. 
Denn ich verstehe den anhaltenden Hype um diese Produkte nicht. 

Dass man in gewisser Weise neugierig auf exotische Lebensmittel ist, finde ich gut, das finde ich auch wichtig. Doch das überpositive Bild von Superfoods halte ich für so überzogen, dass ich mittlerweile gar nichts mehr aus dieser Kategorie kaufe. Und ich kritisiere nicht nur den Hype, das ist nicht nur eine „Ich mag nicht, was alle mögen“-Ablehnung, ich habe gute Gründe. 

1) Gut für die Gesundheit? Maybe – maybe not. 
Gesundheit, Vitalität, gesteigertes Wohlbefinden, das sind die Attribute, mit denen Superfoods um Käuferschaft werben. Doch ist bisher gar nicht erwiesen, dass Superfoods positive(re) Effekte auf die menschliche Gesundheit haben als „Standardlebensmittel“ – und ich spreche von „echter“ Forschung, nicht von subjektiven Blogbeiträgen und Anekdötchen, schon gar nicht von pseudo-seriösen Texten auf Anbieterseiten. Fakt ist: Es fehlen (noch) wissenschaftliche Beweise für die präventive oder gar heilende Wirkung von Superfoods. Ein Test an Zellkulturen zählt für mich nicht, denn denkt dran: Der Mensch ist kein Reagenzglas.


2) Super Nährwerte? Geht.
Was erwarten wir von Superfoods? Na, dass die Vitalstoffzusammensetzung besser ist als bei „normalen“ Lebensmitteln, dass auf kleinste Konsummenge der bestmögliche Effekt für den Körper erzielt wird. Allerdings gibt es da zwei kleine Problemchen:
Erstens: Die Nährwertangaben der „neuen Exoten“ unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter. (Ob da wohl das Verkaufsinteresse eine Rolle spielt? – Mehr Vitamine, mehr Absatz.
Zweitens: Die Bioverfügbarkeit von Vitaminen, Mineralstoffen usw. ist begrenzt. Was der menschliche Körper nicht verwerten kann, wird (im besten Fall) ungenutzt rausgeschmissen. Bioverfügbarkeit ist ein sehr komplexes und auch individuelles Thema. Denn dabei geht es nicht nur darum, wie stark verarbeitet das Ausgangsprodukt ist, sondern auch darum wie alt oder gesund (oder, oder, oder) der Empfänger ist – will sagen: 
Natürlich kann man sich ein hochdosiertes Anti-Freie-Radikale-Pülverchen aus Açai den Smoothie mixen, aber ob der Körper damit mehr anfangen kann als mit einer Hand voll heimischer Heidelbeeren sei mal dahingestellt... 
Übrigens: Ein paar interessante Vergleiche findet ihr u. a. bei Fit for Fun.


3) Schadstoffbelastung? Aber hallo!
Wie oft waren Superfoods in den vergangenen Jahren in den Negativ-Schlagzeilen? Ziemlich häufig, nicht wahr – sogar Bio-Ware wurde teilweise als „nicht verkehrsfähig“ eingestuft. Das soll (und darf!) selbstverständlich nicht auf alle Lebensmittel – ob Bio oder nicht – übertragen werden. Mich persönlich haben die Ergebnisse aber nachhaltig irritiert. Die liebe Hannah hat auf ihrem Blog einen ausführlichen Artikel dazu geschrieben, der die komplexe Sachlage auf den Punkt bringt. 



4) Money Money Money
Everything comes at a price, klar – nur liegt der bei Superfoods stets in exorbitanten Höhen. Muss ich ins Detail gehen? 100 Gramm Acai-Beerenpulver für 15 €, 180 Moringakapseln 20 €, 1 kg Chiasamen 10 Euro – wohingegen Leinsamen (die nährwerttechnisch Chiasamen häufig sogar überlegen zu sein scheinen) gerade einmal 2-3 Euro im Kilo kosten.
Ich möchte an dieser Stelle betonen: Ich gebe gerne Geld für Lebensmittel aus, ich bin nicht geizig und lasse sicher monatlich auch ein ordentliches Sümmchen im Bio-Supermarkt. Aber davon kaufe ich eben echte Lebensmittel, Gemüse, Obst, Eier, Nüsse – keinen Erste-Welt-Quatsch. 


5) Wie war das nochmal mit der Nachhaltigkeit?
Was viele ü-ber-haupt nicht zu stören scheint: Die Importstrecken, die manche Superfoods überwinden müssen, um den Weg zu uns zu finden. Komisch, dass (fast) alle Superfoods tausende von Kilometern zurücklegen, um hier teuer verkauft zu werden. Die Gojibeere wächst nicht im Schrebergarten und von Macaknolle hat eure Oma auch noch nie gehört. 
Quinoa kaufe ich aber nicht nur aufgrund der komplizierten Anreise nicht mehr, sondern es kommt  eine erweiterte Komponente hinzu: Schon vor Jahren machten diverse Medien (z. B. hier) darauf aufmerksam, dass die ärmsten Schichten der südamerikanischen Bevölkerung – aus deren Gefilden das Pseudo-Getreide stammt – sich ihr Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten können, weil die internationale Gier sowohl Nachfrage als auch Preis so stark haben ansteigen lassen. Und nicht nur das: Selbst die Quinoa-Bauern verzichten mittlerweile auf ihr eigenes Erzeugnis, weil es finanziell lukrativer ist, Quinoa zu verkaufen als selbst zu essen. Und wozu greifen sie alternativ? Nach Pasta, einem billigen Industrieprodukt mit quasi null Nährwerten. Finde nur ich das völlig absurd?

Tja, so sieht es aus mit den 5 Gründen, warum ich von den sogenannten Superfoods nichts halte (mit Ausnahmen natürlich – ich bin, wie ihr wisst, weder heilig noch radikal). Dabei habe ich die Sachlage stark verkürzt wiedergegeben. Ich hätte zu jedem Punkt noch viel, viel mehr schreiben können. 

Was ist denn eure Meinung zu Superfoods? Kauft und konsumiert ihr sie gerne? Oder seid ihr auch eher skeptisch? Ich freue mich (wirklich) sehr über euren Kommentar, da mich das Thema sehr umtreibt. 

Weitere Lesetipps:

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Ich bin weder Ärztin noch Ökotrophologin. Ich kann in diesem Blogpost nur meine Meinung und mein Wissen, das ich mir über die vergangenen Jahre angelesen habe, weitergeben. Wie ich bereits oben geschrieben habe, stehen Langzeitstudien aus und es ist möglich, dass der eine oder andere Punkt nicht medizinisch-korrekt erläutert wurde. Vielleicht ist dieser Post in einigen Monaten oder Jahren überholt, aber aktuell weist für mich nichts darauf hin. 
Dass manche "Superfoods" interessante Eigenschaften haben und sicher auch gut schmecken, ist mir völlig klar. Meiner Meinung nach sollten wir allerdings nicht jedes Marketinggewäsch so hinnehmen. Wir haben schließlich eine Verantwortung, nicht nur gegenüber der Umwelt, auch gegenüber unseres Verstandes

Kommentare:

  1. !!! Gut gebrüllt, Löwe!!! Mein Ding sind diese ganzen SuperFoods auch nicht, alleine darüber nachzudenken, wo Gojibeeren angebaut werden, verschlägt mir den Appetit. Davon mal abgesehen, schmecken mir die Dinger auch überhaupt nicht.... Da bleibe ich doch lieber bei meinen Johannisbeeren und Heidelbeeren im Garten und den lecker Radis aus dem Hochbeet!
    In diesem Sinne: lasst es euch schmecken!
    Liebe Grüße
    Gabi

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    1. Hallo Gabi, vielen Dank. Ich finde auch, dass Gojibeeren ziemlich fies schmecken, aber geht's bei Superfoods eigentlich um Geschmack oder nur "Exotik"? Chiasamen sind schließlich auch völlig neutral-belanglos.

      Liebe Grüße!

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  2. Kann ich genau so unterschreiben!
    Einer meiner liebsten Texte dazu ist dieser: http://www.markus-barth.de/blog/der-maya-mausdreck.html ;-)

    Liebe Grüße
    Maja

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    1. Oh mein Gott, jaaa, ich erinnere mich! Das hatte ich damals auch gelesen. So gut! :D

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  3. Hurra!!! Toller Text, den ich in jedem Punkt unterschreibe.
    Liebe Grüße Janke

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  4. Schöner Text! Danke, dass du es so prägnant auf den Punkt gebracht hast.
    Liebe Grüße
    Sönne

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    1. Hallo Sönne, lieben Dank für deinen Kommentar! :)

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  5. Ich unterschreibe auch. Alle Punkte. Und möchte noch das "Schwarzbuch Superfood" aus dem Stocker-Verlag in die Runde werfen, das sich nicht nur mit dem Superfood-Hype auseinandersetzt, sondern auch noch eine Menge einheimische Alternativen vorstellt.

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    1. Hallo Susanne,
      vielen Dank für deine Zeilen. Das Buch schaue ich mir mal an!

      LG,
      Christina

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  6. Toller Artikel, ich stimme dir in allen Punkten zu. Haferflocken und einheimische Früchte sind genauso Powerfood. Wir verwenden bei uns auf dem Blog wen immer möglich einheimische Zutaten.
    Liebe Grüsse Ilona

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    1. Hallo Ilona, danke für deinen Kommentar. :-)

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  7. DANKE! Sorry fürs Brüllen, aber das musste sein ;) Genau meine Gedanken zum Thema Superfood, ich reagiere langsam schon echt allergisch auf den Begriff.

    Liebe Grüße
    Carla

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    1. Hallo Carla,
      freue mich, dass ich deinen Geschmack getroffen habe. ;-)

      Liebe Grüße,
      Christina

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  8. Ich stimme dir zu, ich habe sogar im Januar einen sehr ähnlichen Post veröffentlich der viele deiner Punkte auch anspricht! Schön, das du es auch so siehst! Wenn du mal meinen Post sehen willst;)
    http://excusemebutitsmylife.blogspot.ch/2017/01/superfoods-und-ich.html

    Liebe Grüsse,
    Krisi

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    1. Liebe Krisi,
      wow, da hatten wir ja quasi dieselben Gedanken! Du hast das auch sehr schön beschrieben, freut mich, dass wir da einer Meinung sind.

      Liebe Grüße,
      Christina

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  9. Caroline ForsterDienstag, Mai 23, 2017

    Hallo Christina,

    ich gebe Dir zu 100% recht. Für mich ist das nur Geldmacherei.

    Viele Grüße
    Caro

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    1. Hallo Caro,

      vielen Dank!

      Liebe Grüße,
      Christina

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  10. Tach, hier redhairmoe,
    wenn ich das richtig aus deinem Post entnehme, konsumierst du Quinoa nicht mehr aus guten Gruenden, richtig?
    Ich habe nun vor kurzem in meinem Unverpacktladen deutschen Quinoa entdeckt:)
    https://bohlsener-muehle.de/quinoa/#c730
    Gibts bestimmt auch im Biomarkt!
    Das wiederum fände ich persönlich unterstützenswert, trotz das es Superfood ist.
    Fände deine Meinung dazu interessant!
    Lieben Gruss, redhairmoe

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  11. Ich stimme dir grundsätzlich zu, aber verstehe nicht genau, inwiefern der Quinoa-Export schädlich für Peru sein sollte? Normalerweise ist Export und gesteigerte Nachfrage doch sehr positiv für ein Land, sofern nicht nur ausländische Investoren profitieren oder die Umwelt darunter stark leidet, aber du erwähnst ja explizit die Quinoa-Bauern?

    "Selbst die Quinoa-Bauern verzichten mittlerweile auf ihr eigenes Erzeugnis, weil es finanziell lukrativer ist, Quinoa zu verkaufen als selbst zu essen."
    Das ist ja die Entscheidung der Bauern selbst, von dem zusätzlichen Gewinn können sie sich dann vielleicht eine bessere Schulbildung für ihre Kinder oder mehr Land zum Anbau von Quinoa leisten, daran finde ich nichts schlechtes. Ich glaube nicht, dass diese Bauern den Zeiten hinterhertrauern, zu denen sie ihr Produkt nur preiswert auf dem heimischen Markt verkaufen konnten...
    Problematisch ist der Preisanstieg wohl eher für die wirklich Armen, die nicht mal ein Feld besitzen, aber normalerweise profitiert langfristig auch die arme Bevölkerung davon, wenn es einem Land wirtschaftlich besser geht...

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  12. Auch von mir in mir in allen Punkten vollste Zustimmung!

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  13. Hallo, toller Blogtext, ich finde wir habe hier in Europa genug gesundes Obst, Gemüse und Getreide das uns gut ernährt und mit Nährstoffen versorgt. Wir brauchen kein Goji, Quinoa oder sonstiges, da kommen nur Allergien und sonstige Unverträglichkeiten zu tage...spreche leider aus eigener Erfahrung. Darum NEIN zu SUPERFOOD.
    Liebe Grüße aus Wien

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  14. Danke für diesen Post. Du schreibst mir aus der Seele.

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  15. Hm....Quinoa und Kakaonibs esse ich sehr gerne - aber nicht, weil sie Superfoods sind - sie schmecken mir einfach. Chia habe ich probiert, finde ich doof und verwende inzwischen lieber wieder Leinsamen. Ich habe eh manchmal den Eindruck, dass dieser Grund allein nicht mehr ausreicht. Ansonsten finde ich den Hype auch übertrieben. Aber irgendwie braucht unsere Gesellschaft einen Hype oder ein Event nach dem anderen - normal ist anscheinend zu langweilig. :-)

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  16. Zufällig habe ich diesen blog gefunden, bei Micha von Salzkorn. Eine verwandte Seele! Über Superfoods habe ich auf meinem Blog auch schon des öfteren gelästert, z.B. hier https://threefivesix.blogspot.de/2015/12/grun-und-super.html

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    1. Dann willkommen auf meinem Blog! :-)
      Ja, diese superschicken Superfoods sind doch nur faule Eier...
      Ich werde bald noch etwas über echte, heimische Superfoods schreiben und hoffe, damit erreiche ich genau so viele Personen wie mit diesem Post.

      Liebe Grüße,
      Christina

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  17. Danka, danke, DANKE. Ich kann diese Kommentare eigentlich gar nicht so gut leiden, wenn jeder dem Artikel nur zustimmen, aber hier geht es einfach nicht anders. Du sprichst mir aus der Seele! Wie oft war ich schon von null auf hundert in drei Sekunden bei solchen Chia und Gedöns Diskussionen. Hach was hat der Text gut getan. Gruß Janka

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