Donnerstag, 23. November 2017

Selbstgemachtes Nutella (oder Schoko-Nuss-Creme) und wieso die ganze Aufregung um die neue Rezeptur unangemessen ist


Selbstgemachtes-Nutella

„Was Ferrero am Schoko-Aufstrich verändert hat“, „Fans in Aufruhr: Der Ärger um die neue Rezeptur“, „Nutella plötzlich heller! Was hinter der neuen Rezeptur steckt“ – das sind nur drei der Überschriften deutscher Medien zum jüngsten deutschen Lebensmittelskandal. 

Vergesst Massentierhaltung, Gammelfleisch, EHEC, Antibiotika-Hühnchen und Fipronil-Eier – denn der auch als gemeinnützige Verein und für seine nachhaltigen & fairen Handel bekannte Schokoladenfabrikant Ferrero hat die Nutella-Rezeptur minimal geändert. Die Schokoladencreme sieht jetzt nicht nur heller aus, sondern schmeckt (angeblich) auch anders als der deutsche Otto-Normal-Konsument es von Kindesbeinen an gewohnt ist. Bisschen mehr Milchpulver, bisschen weniger Fett, vermutlich weniger Kakao. Wie gesagt: Skandal.
Ich bin sicher, dass Ferrero recht schnell auf den Unmut reagieren wird. Schließlich liegt dem Konzern die sentimentale Erinnerung seiner Kunden an eine Zeit, in der noch alles besser war, ebenso am Herzen wie deren Gesundheit.
Man hat es als Lebensmittelkonzern schon nicht leicht in der heutigen Zeit. Früher brauchte es große Lebensmittelskandale, um überhaupt in die Zeitung zu kommen, heute reicht ein halber Teelöffel Milchpulver extra. Liebe Leute: Es ist und bleibt eine Zucker-Fett-Creme aus minderwertigen Zutaten. 

Man muss sich in der heutigen Zeit doch sehr wundern: Das Thema wurde von so vielen Medien derartig prominent platziert, dass ich mich gefragt habe, ob es nicht eventuell so eine Art Guerilla-Werbecoup ist. Ich finde es unverantwortlich, dass diese minimale Rezepturänderung so großflächig aufgebauscht wurde. Der Konzern Ferrero hat viele Achillesfersen – aber wer will schon dauernd was über Kinderarbeit und diese langweiligen Palmöl-Monokulturen lesen?
Aber selbst wenn man diese Themen kurz ausblendet, müsste der liebe Herr Ferrero eine komplette Terrazza voll „Goldener Windbeutel“ haben: Die Milchschnitte ist kein „leichter Pausensnack“ und schon gar nicht „mit viel frischer Milch gemacht“ (wahrscheinlich waren die Klitschkos mit ihren Blinis nährstofftechnisch sogar besser bedient). Ein Kinderriegel  besteht nicht „aus bekömmlicher Schokolade mit dem besten aus besonders viel Milch“ – und die Yogurette, die in den 90ern quasi als Diätprodukt angepriesen wurde ... Leute, Leute. Ernsthaft:



„Na, ich treib viel Sport und ess' eben nicht so viel!“
Ätz.

Der Ärger um eine veränderte Rezeptur ist somit völlig unangemessen. Ich bin überzeugt: Die wenigsten Konsumenten hätten diese – laut Herstellerangaben – „Feinjustierung“ je bemerkt, wenn die mediale Empörung (angefeuert durch die seit je her impulsiven sozialen Medien) ausgeblieben wäre. Ist euch schon einmal aufgefallen, dass sich das eigentlich daueraktive Über-Ich des modernen, aufgeklärten Verbrauchers nur in solchen Situationen ausschaltet, wo geliebte Gewohnheiten und Erinnerungen bedroht werden?
Sie alle süffeln ihre Grünen Smoothies, verzichten auf Kohlenhydrate und tauschen Pasta gegen rohe Zucchinischlangen – aber wagt es ja nicht, ihre geliebte Schokocreme auch nur ansatzweise zu verändern. Dann ist Krieg. Zumindest auf Facebook. Gekauft wird es ja doch weiterhin, „fürs Gefühl“. Und auch von denen, die durch die mediale Hyper-Coverage erst wieder daran erinnert wurden, dass sie das doch erstmalig/erneut/jetzt-erst-recht probieren wollen. Merkste wat?

Also, ich sag mal so: Ich bin kein Nutella-Fan. Hat meine Mutter früher nie gekauft. Ab und an stand ein Pöttchen Nusspli auf dem Frühstückstisch. Das habe ich vor einiger Zeit aus Nostalgiegründen tatsächlich noch einmal in den Einkaufswagen gepackt und dann Zuhause gemerkt: Ach, schmeckt leider gar nicht mehr so wie früher, als ich sieben Jahre alt war und die Welt noch in Ordnung.
Okay. Vielleicht hat auch Nusspli irgendwann die Rezeptur geändert, vielleicht habe ich einfach andere geschmackliche Vorlieben als damals, vielleicht ist es auch einfach scheißegal: Der Becher wurde artig geleert, und seitdem habe ich nie wieder Nusspli gekauft.
Ihr hättet bestimmt nicht bis zu diesem Absatz gelesen, wenn ihr nicht auch endlich eine bessere und gesündere Schokoladencreme selbst machen wollen würdet, oder? Die gute Nachricht vorab:
Ihr könnt euch ein einfaches Nutella (oder sagen wir: Schokoladen-Haselnuss-Creme) innerhalb weniger Minuten selbst zusammenrühren. Aus garantiert besten Zutaten in Bioqualität, frisch und lecker. Und dann könnt ihr über solche Aktionen wie Ferrero zukünftig nur noch lachen.

Zu dem Rezept folgende Ergänzung: 
Es gibt von selbstgemachtem Nutella, Nusspli oder Nuss-Schokoladen-Creme (nennt es, wie ihr wollt) unzählige Varianten im Internet; Leider erfordern die meisten, dass man selbst Nussmus mittels eines Hochleistungsmixers herstellt. Da ich so ein Gerät nicht besitze, kommt meine Variante mit gekauftem Nussmus daher. Achtet darauf, dass das Mus weich und streichfähig ist. Mein Haselnussmus von Rapunzel ist selbst gekühlt fast flüssig und für dieses Rezept ideal.
Für das Anrühren der Creme reicht ein kleiner Schneebesen oder auch eine Gabel. Auf keinen Fall solltet ihr die Zutaten mit einem Pürierstab bearbeiten, damit erreicht ihr nämlich das Gegenteil von Bindung – es flockt aus, wird krümelig und fest. (Für euch getestet!)
Im Erstversuch habe ich Rohrohrzucker genutzt. Leider lösen sich die Zuckerkristalle beim Rühren nicht auf, was das „Mundgefühl“ stört. Stattdessen verwende ich flüssigen Honig und habe damit genau die richtige Konsistenz erzielt. Wird euer Nutella zu fest? Gebt etwas mehr Sahne hinzu. Ist es zu flüssig? Helft mit zusätzlichem Kakaopulver nach. Da hier frische Sahne verwendet wird, ist die Schokoladen-Nuss-Creme nicht so lange haltbar wie „normale“ – muss sie aber auch nicht sein. Stattdessen könnt ihr euch jedes Mal eine kleine Menge neu anrühren, schließlich dauert der ganze Prozess keine zwei Minuten.

Selbstgemachte-Nutella-2

Selbstgemachte Nutella (Schokoladen-Nuss-Creme)
Rezept für ca. 150 g

Zutaten
75 g Haselnuss-Mus (z. B. von Rapunzel)
50 g Sahne (vegane Alternative geht auch)
30 g flüssiger Honig
5 g Kakaopulver
1 Prise Salz

Zubereitung
Gebt einfach alle Zutaten zusammen in eine Rührschüssel und verrrührt sie mit einem Schneebesen oder einer kleinen Gabel, bis ihr eine dickliche, streichfähige Masse (oder Creme) hergestellt habt. 

Kommentare:

  1. Also wenn du lästerst, dann kommst du so herrlich in Schwung, dass ich einfach immer grinsen muß. Sehr schön hingeführt zum besten aller Nuss-Schokoladen-Aufstriche :)

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  2. Ich muss zugeben, bei Rezepten für geschützte Marken bin ich immer panisch, verklagt zu werden ;) Aber ich hab auch schon Nuss-Nougat-Creme selbst gemacht und finde, das kann sich durchaus mit dem "Original" messen. Ich habe übrigens einen Hochleistungsmixer und trotzdem werden Nüsse damit nicht so cremig wie kauftes Nussmus. Das müsste wahrscheinlich schon ein 750 Euro Vitamix sein, damit das hinhaut. Da kaufe ich das Nussmus dann doch lieber fertig ein..

    Liebe Grüße,
    Ela

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    1. Ach, echt? Da bin ich ja froh, dass ich mir das Geld bisher gespart habe.
      Und sooo viel Nussmus, dass sich das wirklich auszahlt, brauche ich auch wieder nicht. Bisher fahre ich mit der Kombination Pürierstab/Glasmixer/Moulinette ganz gut. :-)

      LG,
      Christina

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  3. Antworten
    1. Astrid, ein Lob aus deinem Mund... Herz!

      *gesendet in Ehrfurcht erstarrt.

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  4. Alles richtig! Aber was ich auch ganz spanned finde, ist der Zweig auf dem Foto. Meines Erachtens Szechaunpfeffer! Wo hast Du den denn her? Das ist schon eine ziemliche Rarität! Und eine leckere noch dazu. Bei mir wächst sie im Garten, aber wo anders hab ich diesen Strauch noch nie gesehen.

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    1. Lieber Olaf,
      danke für das Kompliment. Leider kann ich dir diese Frage nicht beantworten – der Zweig war Teil eines Blumenstraußes, den ich von meiner Mutter bekommen habe. :)

      LG,
      Christina

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  5. der focus hat das phänomen ganz gut erklärt:
    "Fakt ist: Die in Prozentbereichen liegende Veränderung der Rezeptur mit dem Resultat einer leicht geänderten Farbe, ist nicht der Grund für die große Aufregung unter den Fans. Verrat!! „Mein Nutella“ wurde verändert. Mit Nutella identifiziert man sich und hat es zu „seiner“ Marke gemacht, die man liebt und verteidigt. Nutella ist als Marke mit Nostalgie und positiver Erinnerung aufgeladen – ein Stück leistbares Erbe aus der eigenen Kindheit. Das kann Ferrero mehr als freuen."
    http://www.focus.de/finanzen/experten/engl/nutella-was-hinter-dem-aerger-ueber-die-neue-rezeptur-steckt_id_7831080.html

    ist eh nur so n aufgebauschter pseudo-skandal. ich glaube nicht, dass deswegen jetzt weniger nutella gekauft wird.

    ich warte ja drauf, dass irgendwann gar kein kakao mehr drin ist, dafür mehr palmöl und die farbe kriegt man mit zuckerkulör hin ^^

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    1. Eben, das glaube ich auch nicht. Eher noch mehr, weil jetzt jeder wissen will, wie "das Neue" schmeckt. Hmpf.

      LG,
      Christina

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  6. Selbstgemacht ist doch einfach immer am besten, da weiß man wenigstens was drin ist :) Danke für das tolle Rezept :) Liebe Grüße aus Meran :)

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