Mittwoch, 21. Mai 2014

Erdbeer Panzanella mit Fenchel und Gurke – und ein bisschen Gemecker über #lowcarb


Es gibt da etwas, das mir schon länger auf der Seele brennt. Na gut, brennen ist nun übertrieben, aber es beschäftigt mich: Und zwar unser aller Verhältnis zu Lebensmitteln. Ich denke, ich bin nicht die einzige die bemerkt, wie sich zur Zeit – allgemein, aber im Besonderen auf Food- und Beautyblogs – der ja nicht neue Trend nach Ego-Optimierung auf Nahrungsmittel konzentriert.
Dabei kann man nicht sagen, dass das eine komplett neue Erscheinung ist, aber in unserer schnelllebigen Kommunikationskultur verbreiten sich Mythen, Legenden oder einfach gesagt: Pseudo-Erkenntnisse vielfach schneller als noch vor fünf oder gar zehn Jahren.

Ich beschäftige mich nicht erst mit Ernährung, seit ich diesen Blog führe, sondern seit ich noch vorpubertär zum ersten Mal seitens meines Kinderarztes auf Diät gesetzt wurde. Das geschah nicht freiwillig, war aus heutiger Sichtweise völlig unnötig, aber trug wohl mit die Verantwortung dafür, dass ich immer schon kritisch zusah und -hörte, wenn es um das gesundheitliche (sprich: gewichtsreduzierende) Versprechen ging. 

Letztlich kann man es grob so zusammenfassen: In den 90ern war die auf „kalorienreduzierte Mischkost“ mit Standard von 1000 Kalorien (#wtf) die ultimative Methode, um binnen Kürze die Bikinifigur zu erreichen. Zeitgleich machte Harry Wijnford Werbung für Slimfast und für einen bis heute populären widerlichen Fastentrunk namens Almased wurden erste Annoncen geschaltet.

Anfang der 2000er setzte ein bedächtiges Umdenken ein, die Kalorienmenge wurde angehoben, stattdessen reduzierte man an anderer Stelle – der Trend da lautete: LowFat. Fett- und geschmacksreduzierte Produkte wie Käse, Joghurt und Wurst schossen wie fade Pilze aus dem Boden, denn Fett macht fett, das ist ja irgendwo logisch und ließ sich eine Zeitlang auch gut vermarkten.

Aber: Nothing lasts forever. Heutzutage reduziert man die Kohlenhydrate und behashtaggt alle Instagramfotos mit #lowcarb und #nocarb. Es werden Lebensmittel vom Speiseplan gestrichen, die bis dato in Ordnung und aufgrund des nicht vorhandenen Fettgehalts sogar erwünscht waren. Kartoffeln – weg. Pasta – weg. Reis – weg. Knuspriges Baguette – weg. Obst – weg. Im nächsten Schritt fallen Lactose und Gluten der Food-Zensur zum Opfer, weil das ja auch nicht gesund ist. Ohne Witz, leider fällt mir die Quelle nicht mehr ein, aber ein nicht geringer Prozentsatz dieser Lebensmittel wird gekauft, weil man sie für gesünder hält als „normale“ Milch oder „normales“ Brot. Wahnsinn.
Versteht mich nicht falsch: Unverträglichkeiten und Allergien können alptraumhaft sein, und es ist wunderbar, dass die Medizin heute so viele Möglichkeiten hat, diese zu diagnostizieren und zu behandeln. Aber mir geht es nicht um Krankheiten, mir geht es um Spaß am Essen und um den Genuss vielfältiger Lebensmittel.

Gesunde Ernährung und Sport können und sollen Spaß machen. Aber wenn es dann zur Massen-Inszenierung und zum kurzzeitigen Trend einer ganzen Generation wird, finde ich es anstrengend, doof und langweilig. Ich mag meine Kartoffeln!


Nach diesen ernsten Worten (die eventuell etwas unkoordiniert daher kommen, man möge mir verzeihen) mag ich euch noch diesen fabehlaften Erdbeer-Brotsalat mit Fenchel und Gurke vorstellen. Inspiriert von einem Rezept in meinem aktuellen Lieblingsbuch, leicht abgewandelt. Wer braucht schon Kapern?
Aber Achtung: Enthält Kohlenhydrate (Brot), Fructose (Erdbeeren) und zudem 'ne Menge Geschmack und gute Laune.

Gerne sollt ihr auch eure Gedanken mit mir teilen. Wisst ihr, wovon ich rede? Findet ihr, dass ich überreagiere? Wie sind eure Erfahrungen?

Erdbeer Panzanella mit Fenchel und Gurke
Rezept für 1 großzügige Portion

Zutaten
1 Scheibe altbackenes Brot (ca. 50 g)
250 g Erdbeeren, geputzt
1 EL Olivenöl
1 EL guter, dickflüssiger Balsamico
1/4 Schlangengurke, geviertelt und gewürfelt
1 kleine rote Zwiebel, in dünne Scheiben geschnitten
1/2 Fenchel, geputzt und in dünne Scheiben geschnitten
1 paar Blättchen Basilikum oder Oregano
Meersalz
frisch gemahlener Pfeffer

Zubereitung
Das Brot in Würfel schneiden und im auf 200° C im Ofen ca. 5-10 Minuten leicht toasten. Beiseite stellen und auskühlen lassen.

Die Hälfte der Erdbeeren mit den Händen zerdrücken und mittels Holzkochlöffel durch ein feines Sieb streichen. Das dauert ein bisschen, belohnt euch aber mit der extragenialen Basis für das Dressing: Erdbeerpüree! Olivenöl und Balsamico zufügen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und Beiseite stellen.

Den Rest der Erdbeeren würfeln und mit Gurke, Zwiebel und Fenchel vermischen. Das Dressing darüber löffeln, Brot zufügen und gut unterheben. Ein paar Minuten zur Seite stellen, damit sich alles richtig gut vollsaugt.
Anschließend mit Basilikum oder Oregano bestreuen, erneut abschmecken und servieren.
Enjoy!

Quelle