Mittwoch, 21. September 2016

Kumano Kodo – eine Woche auf altjapanischen Pilgerwegen {#japanliebe}

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Wozu ist das Reisen da, warum ist es mir wichtig?
Reisen erweitert den Horizont, das klingt abgedroschen, ist aber wahr.
Reisen erweitert den Horizont – nicht nur, aber vor allem geistig.
Reisen stellt einen vor Herausforderungen.
Reisen bildet, beruhigt und belebt gleichzeitig. 
Reisen fordert, viel sogar, je nachdem, welches Ziel man wählt.
Reisen kann ganz bequem sein – aber ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass die schönsten Reisen die unbequemen sind.
Eine gute Reise ist ein „ganzheitliches“ Erlebnis, und immer auch eine Begegnung mit sich selbst.
Weil man sich selbst im Alltag kaum begegnet, muss man ausbrechen, was Neues wagen. Nachdem wir in den letzten Jahren immer mal wieder Urlaub fernab von Krawall und Remidemmi gemacht haben, bin ich sicher, dass Natur, Stille – ja, Einöde – dabei helfen, sich mal selbst zu treffen und mal genau hinzuhören. {Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich generell kein Mensch bin, der sich gerne an überfüllten Orten aufhält.}

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Es geht dabei nicht um Erscheinungen, Erleuchtungen oder sowas. Es geht darum, Stunde um Stunde einen Fuß vor den anderen zu setzen, weil es nichts anderes gibt, das man tun könnte – und mal mit sich und seinen Gedanken völlig allein zu sein. Damit unterscheidet sich wandern enorm von Strand- oder Cityurlauben, wo es ja immer 'ne Menge Zeugs zu tun und zu entdecken gibt. Und selbst wenn es nur ein Switch zwischen Muschelsuchen, Eisessen und Schnorchelei ist.

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Mit unserer Reise in die japanischen Berge haben wir uns dazu entschieden, uns mal vollständig abzukapseln. Vor allem für mich gilt, dass ich schwer abschalten kann. Ich mache immer irgendwas, ach, eigentlich vieles parallel, physisch und/oder psychisch. Ich bin einfach total wuselig. Aktuell kann ich nicht einmal konzentriert ein Buch lesen. Ich schaffe es einfach nicht. Ich bin vermutlich ein Vorzeigeopfer der allzeit-online-digitalisierten Zeit. Nun, deswegen dachte ich vor Beginn der Reise, beim Wandern einen ganz klaren Kopf zu bekommen, brilliante Gedanken und Ideen, irgendwie sowas.
Stattdessen: Habe ich geschimpft. Zu Beginn ganz viel. Ich habe geschimpft, mit dem Weg (schwierig), mit meiner Ausrüstung (falsch), mit der ganzen Idee (dumm). Als ich das Oberflächliche weggeschimpft hatte, fing ich mit mir selbst an. Ich bin alles durchgegangen: Kindheit, Jugend, Studium, Arbeit, hier und dort, was war gut, was war schlecht? Habe ich Fehler gemacht? Mögliche Chancen nicht ergriffen? Was bin ich überhaupt für ein Mensch, als Partnerin, als Freundin, als Mitarbeiterin und Kollegin? Was erwarte ich von Leben und Beziehungen? Was ist mir wichtig, worauf kann ich pfeifen? (Die Antwort auf letzteres: Auf ziemlich viel, immer noch, ein gutes Gefühl.)

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Und als das alles abgearbeitet war, nach gut zwei Tagen, konnte ich endlich einfach nur gehen.
Durch diese unglaubliche Landschaft, die das schönste war, das ich bisher mit meinen eigenen Augen gesehen habe. Alles war so unendlich weit weg: Menschen, Städte, Politik, Probleme. Nur mit dem nötigsten im Rucksack die Strecke bewältigen, Meter um Meter, Tag um Tag, das klärt, #isso.

Als wir nach gut einer Woche Semi-Isolation zurück nach Osaka fuhren, in dessen Ballungsraum 14 Millionen Menschen leben, war ich ziemlich überfordert. Ich, ha. Man entdeckt sich neu.

Und nun? Wir sind noch dran, uns zu sortieren.
Bis dahin lasse ich euch einige Bilder da.

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Unser Haupturlaub führte uns dieses Jahr an einen ganz besonderen Ort – auf die Kii-Halbinsel im Südosten Japans, genauer gesagt auf den Kumano Kodo. 
Der Kumano Kodo ist ein über 1000 Jahre alter Pilgerweg, der seit 2004 als UNESCO-Weltkulturerbe registriert ist. Die Halbinsel ist fast vollständig gebirgig und dementsprechend infrastrukturell schwer zu erschließen gewesen. Sie gilt als sprituelles Zentrum Japans.
Pilger besuchen über den Kumano Kodo dort die drei großen Schreine von Kumano („Kumano Sanzan“): Kumano Nachi Taisha, Kumano Hongu Taisha und Kumano Hayatama Taisha. Der Kumano Kodo ist allerdings nicht eine einzelne Strecke, die von einem Start- zum Zielpunkt führt, sondern eher als Netzwerk zu sehen, auf denen einige Routen häufiger, andere seltener gegangen werden. Wichtig: Man sollte körperlich fit und bei Kräften sein, der Weg ist zwischendurch ziemlich fordernd, dafür abwechslungsreich. Und immer viel trinken. ;-)

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Eines der vielen typischen Wegschilder auf dem Kumano Kodo. Ihr müsst keine Angst haben: Ihr könnt euch nicht verlaufen. Wo der Weg nicht eindeutig ist, wartet ein "Not Kumano Kodo"-Schild auf euch.

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Die Gyuba-Doji-Statue zeigt einen der ersten japanischen Kaiser (Kazan), die auf dem Kumano Kodo gepilgert sind, sitzend auf Pferd und Kuh.


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Man sieht viel Verlassenes auf dem Kumano-Kodo, und nicht alles davon ist alt. Ein Zeichen von Landflucht? Hier eine alte Tankstelle im Dorf Chikatsuyo.

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Blick aus unserem Zimmer im Ryokan Yoshinoya in Yunomine Onsen, einem Dorf, das für seine
heißen Quellen (Onsen) berühmt ist.

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In Yunomine Onsen gibt es eine heiße Quelle, in der die Dorfbewohner seit Jahrhunderten Gemüse, Süßkartoffeln und Eier kochen können; Die Wassertemperatur beträgt um die 90 °C, da geht das ganz gut. Ich wollte da schon seit Jahren mal was drin kochen, insofern war das für mich wie Weihnachten. In einem kleinen Shop im Ort konnte ich ein Säckchen mit fünf Eiern erstehen, es an einen Haken binden und die Eier dann in 15 Minuten hartkochen. Haben super geschmeckt!

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Und immer wieder: Diese kleinen Gebirgsbäche, die so wundervoll erfrischend sind.
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Am Wegrand wird Reis getrocknet.
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Blick aus unserer Unterkunft in Kiri-no-Sato. Da kann man nicht meckern.

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Auf dem Kumno Kodo gilt: Ohne Fleiß kein Preis. Es ist beschwerlich, und mühsam, aber ach, die Aussichten!

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Teil der Tempelanlage in Kumano Nachi Taisha. 

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Abschiedsbild, im Hintergrund der höchste Wasserfall Japans (131m).